Angst vor Konkurrenz

Morgens lange ausschlafen, gegen Mittag mal kurz im Hörsaal blicken lassen und abends spontane WG-Parties feiern. Diese Vorstellung vom lockeren Studentenleben ist längst überholt. Schaut man sich heute unter den Studierenden um, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Längst haben Burnout, Versagensangst und Konkurrenzdenken Einzug in die Universität gehalten.

Vielschichtige Anforderungen.

Studieren bedeutet nicht nur Lernen. Es gilt, einen guten Praktikumsplatz zu finden, ein Auslandssemester zu absolvieren, ein Masterstudium vorzubereiten und erste Vorstellungsgespräche zu führen. Das Studium soll schnellst- und bestmöglich abgeschlossen werden, um sodann in einem renommierten Unternehmen gutes Geld zu verdienen. Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, unter Studenten führt es aber eher zu dem schlechten Gefühl, selbst womöglich nicht genügend zu leisten, nicht die richtige Studienfachwahl getroffen oder nicht mithalten zu können. Das letzte Wir-Gefühl schwindet, wenn Studenten damit beginnen, Informationen nicht weiterzugeben, Stellenangebote vom schwarzen Brett zu entfernen oder Bücher zu verstecken.

Mangelnde Rückmeldung.

Ohne den Austausch mit Kommilitonen ist das Einschätzen der eigenen Leistung schwierig. Zwar erhält man mit den Noten regelmäßig Rückmeldung über die eigenen Lernerfolge, diese relativieren sich aber durch die eigene Tagesform, die Strenge oder Nachsicht des jeweiligen Professors und der Durchschnittsleistung des gesamten Kurses. Die vielen im Hörsaal verbrachten Stunden erkennt Niemand an, weil der Einzelne in der Masse untergeht.

Konkurrenzdenken und unfaire Mittel.

So hilfreich der Austausch mit anderen einerseits ist, als so enervierend oder gar belastend kann es andererseits empfunden werden, immer wieder den gleichen Uni-Smalltalk zu führen, wer wie erfolgreich war. Wer das Gefühl hat, regelmäßig schlechter abzuschneiden als die Kommilitonen, beginnt solche Gespräche zu vermeiden, ja sogar zu fürchten.

Das Messen mit anderen gehört zum menschlichen Leben dazu, erst recht in dieser Lebensphase, die einem die Möglichkeit bietet, sich selbst in einem anderen Umfeld neu zu definieren. Auf der Schwelle zum endgültigen Erwachsenwerden möchten man als leistungsfähig und schlichtweg als ‚sehr gut’ betrachtet werden. Die Angst, den Ansprüchen des Umfeldes nicht zu genügen bzw. nicht mithalten zu können, ist der Preis, den viele dafür zahlen.